Artist Statement
Salto vitale – Individuelle Mythologien des Lebendigen
Meine Arbeit entsteht aus dem Körper. Aus Wahrnehmung, Bewegung, Rhythmus, aus dem, was sich durch meine Hände, Material und Linie einen Weg ins Sichtbare bahnt. Die Zeichnung ist dabei Ursprung und Melodiengeberin: Mittel zur Erkundung von Welterfahrung und zugleich autonomes Werk. Von dort öffne ich den Raum in viele Richtungen – ins Malerische, Skulpturale, Installative, Objekthafte bis ins Musikalisch-Performative, um immer wieder zur Linie zurückzukehren. Für mich ist das alles verwandt: Skulpturen sind auch zeichnerisch, sowie malerisch gedacht, Zeichnungen können monumental bis voluminös wirken. Alles ist Bewegung in unterschiedlicher Dichte.
Im Zentrum meines künstlerischen Wirkens steht die Erkundung von Körperlichkeit, Beziehung und der biologisch-energetischen Beschaffenheit unserer Lebenswelt. Es berührt das Mysterium der Kreatur in ihren widersprüchlichen Erscheinungsformen, Verzückungen, Abgründen und Monstrositäten. Vertrauensbildendes, Verstörendes, Betörendes und Erheiterndes gehören für mich zusammen auf den künstlerischen Tanzboden. Ich arbeite mit spielerischem Ernst: humorvoll und hintersinnig, zugleich tief aufmerksam. Profanes berührt Heiliges, Leichtigkeit trifft Schwere. Genau in dieser Vermählung entsteht eine Bildsprache, die klar ist und doch ein Geheimnis in sich trägt.
Meine Werke entstehen aus einem Hin und Her von Setzung und Abwägung, Folgen und Verändern, bis ein unverwechselbar stimmiger Ausdruck gefunden ist. Neben der figurativen Ebene ist eine abstrakte unverzichtbar: die Rhythmen von Linien und Flächen, Farbklänge, Schichtungen sind vergleichbar einer Melodie, die sich aus der spontanen Abfolge von Tönen formt. Manchmal setzt Farbe den Ton und daraus wächst die Linie; manchmal genügt eine Linie, und eine Figur ist da – als Bewegungsimpuls, Zustand, Erinnerung.
Jede Arbeit wird für mich zu einem neuen Geschöpf, einem Gegenüber. Gelingt ein Werk, ist darin eine eigenständige Entität spürbar. Diese Haltung wurzelt auch in frühen Erfahrungen: als Kind fand ich oft aus dem Nest gefallene Jungvögel, versuchte sie aufzupäppeln, erlebte ihre Verletzlichkeit und zugleich eine fast monströse Lebenskraft: Lebenshunger! Diese Nähe zum Zerbrechlichen und Unbändigen prägt mein Sehen bis heute.
Ich schaffe Arbeiten, die nicht illustrieren, sondern eröffnen und verdichten: unmittelbare Zugänge zu Gefühl, Körperlichkeit und zur Ekstase des lebendigen Seins. Ich wünsche mir eine Welt, in der Eigenart, Verletzlichkeit und Körperlichkeit nicht normiert und wegkontrolliert werden, sondern als facettenreiche Zustände von Lebendigkeit gelten. Wenn meine Kunst dazu beiträgt, dass wir uns selbst und anderen nicht kühler, sondern empfindsamer, mutiger und humorvoller begegnen –subjektiv, souverän, frei, sinnlich und nahbar verbunden – dann hat sie ihre Möglichkeiten des “in der Welt Seins” erfüllt.
Saskia Niehaus, März 2026
Vita
in Essen
Studium an der Kunstakademie Münster bei Ludmilla v. Arseniew und Timm Ulrichs, Meisterschülerin
Preise und Stipendien (Auswahl)
Zonta Art Award für Bildhauerinnen aus dem Rheinland
Artist in Residence, Villa Cipriani, Georg-Klusemann-Stiftung Balbano
Artist in Residence Galerie Skulpturale, Lindau
Dormagen-Guffanti-Stipendiatin, Köln
Artist in Residence Lichtenbergstudio, Berlin
Stipendiatin Denkmalschmiede Höfgen, Grimma
Katalogförderung Licht im Wasser, Stiftung Kunst und Kultur NRW
Villa Massimo-Stipendiatin in der Casa Baldi, Olevano Romano
Joseph und Anna Fassbender-Preis, Brühl, art-up-Cologne-Förderpreis, Rotary-Club Köln-Ville
Albert-Stuwe-Preis für Zeichnung, Ennigerloh
Gastkünstlerin Villa Romana, Florenz
Stipendiatin auf Schloß Ringenberg, Arbeitsstipendium des Kunstfonds Bonn
Europareisestipendium Rom, Stipendiatin im Künstlerdorf Schöppingen
Einzelaustellungen (Auswahl)
Unter den Wassern, Galerie Oberwelt, Stuttgart
Tief blicken, Künstlerhaus Goldstraße, Duisburg
Flügge, Galerie Skulpturale, Lindau
Salto Vitale, Fuhrwerkswaage, Köln
Im Grunde, Bohde-Fenster, Köln
Flügelputzen, Atelierhaus Alteburger Wall, Köln
Kunstwerk im Schnittwerk, Köln
Territorium, Museum Zündorfer Wehrturm, Köln
Zweistimmig, mit Dana Zeisberger, Projektraum b12, Bonn
Von der Schönheit sich selbst zu sein, Dormagen-Guffanti-Stiftung, Köln, Beflügelt, Galerie Skulpturale, Lindau, Nestflüchter, scoopvideo, Köln
Schattensprung, Kunstförderverein Treppe, Düren
Sanftes Beben, Galerie Heinz Holtmann, Köln
BeiLeibe, Galerie Heinz Holtmann, Köln, Sehn Sucht Sein, Rauminstallation in Blick zurück nach vorn, Montag-Stiftung, Bonn
Sumpfblüten, Kunstverein Recklinghausen, Schattenlichtung, Städtische Galerie, Schloss Borbeck, Essen
Schattengedeck, Artothek, Köln, Licht im Wasser, Galerie Heinz Holtmann, Köln, Braentschu, Schloss Leuk, Schweiz
Zeichnungen und Skulpturen, Galerie Heinz Holtmann, Köln
Zeichnungen und Skulpturen, Sinclair-Haus, Bad Homburg, Auf Reisen, Galerie Joachim Blüher, Köln
Neue Zeichnungen und Skulpturen, Galerie Joachim Blüher, Köln
Projektraum, Museum Ludwig, Köln
Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl)
Im Grünen / in het groen, Galerie Roy, Zülpich, Eine Woche im Dezember, Atelierhaus Alteburger Wall, Köln
Die Große, Ehrenhof, Düsseldorf, Eine Woche im September, Atelierhaus Alteburger Wall, Köln
Tierisch was los, Arp Museum, Bahnhof Rolandseck
Wenn ich ihr wäre, St. Gertrud, Köln
Eigentlich bin ich ja ganz anders, Galerie Roy, Zülpich
Eine Woche im September, Atelierhaus Alteburger Wall, Köln, Stammtisch, Galerie Roy, Zülpich
Pull down – break off, Abschiedsausstellung vom Gebäude 1, Köln
Inside/out, Ausstellungshalle Schulstraße 1a, Frankfurt a. M., Erzähl mir (k)ein Märchen, Hochbunker, Köln-Ehrenfeld, Fe(e)st, Galerie Roy, Zülpich, Bühnenreif / 1. Akt, Arp Museum, Rolandseck
Nackte Tatsachen, Herzog-Anton-Ulrich-Museum, Braunschweig
Hängengeblieben, Kunsthalle Recklinghausen
Appassionata, Kunstmuseum Ravensburg, Schau mich an, Arp Museum, Rolandseck
Sammlung Hanck, Museum Kunstpalast, Düsseldorf, Die Kunst der Intervention, Rathausgalerie Berlin-Lichtenberg, Ästhetik der Natur, Sinclair-Haus, Bad Homburg
An die Natur, Osthaus-Museum, Hagen
Schläfer, Neues Problem, Berlin, Von Anfang bis Ende, Halle 10, Köln
Feedback, Arp Museum, Rolandseck, Paperfile, Galerie oqbo, Berlin
Blick zurück nach vorn, Montag Stiftung, Bonn
An die Natur, Frieder Burda Museum, Baden-Baden, Langen Foundation, Neuss, Osthaus-Museum, Hagen, Sinclair-Haus, Bad Homburg
Ankäufe und Ankaufswünsche, Arp Museum, Rolandseck, Via Senese, 100 Jahre Villa Romana, Fuhrwerkswaage, Köln
Neue Ansichten vom Ich, Herzog-Anton-Ulrich-Museum, Braunschweig
Zeichnung, Galerie Eva Mack, Stuttgart, On Paper, Galerie Andreas Grimm, München, Von Chimären und anderen Menschen, Bahnwärterhaus, Esslingen, Sitzgründe, Atelier Monika Bartholomé, Köln, Villa Romana, Museum Schloss Morsbroich, Leverkusen
Im Alltag, WestLB, Istanbul, Türkei, DD-B-MS, Galerie Münsterland, Emsdetten, Hochschule für Bildende Künste, Dresden
Kabinett der Zeichnungen, Kunstverein Düsseldorf, Kunstverein Lingen, Kunstverein Stuttgart, Kunstsammlungen Chemnitz, Von Matisse bis Morimura, Museum Ludwig, Köln
Mode of Art, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf, Eros, Galerie Joachim Blüher, Köln
Miszellen, Galerie Joachim Blüher, Köln, Pet Shop, Sies + Höke Galerie, Düsseldorf
Sammlungen (Auswahl)
Sammlung Ludwig, Museum Ludwig, Köln
Arp-Sammlung, Arp Museum, Rolandseck
Stiftung Kunst und Kultur, Bad Homburg / München
Sammlung BEST, Zürich
Sammlung Hanck, Düsseldorf
Kupferstichkabinett des Herzog Anton Ulrich Museums, Braunschweig
Museumsbibliothek Ludwig, Köln
Mediathek Brigg, Wallis, Schweiz
Sparkasse Köln/Bonn
Sammlung Wendels, Köln
Collezione Claudia Gian Ferrari, Mailand
David Ramsey Collection, New York
Sammlung des Diözesanmuseums Kolumba, Köln
Sammlung Opitz-Hoffmann, Kunstsammlung, Jena